Das Natural Stone Institute (NSI) hat seinen Standard ANSI/NSI 373 für nachhaltige Produktion offiziell überarbeitet; die aktualisierten Kriterien gelten ab dem ersten Quartal 2026 für alle zertifizierten Betriebe. Die Revision verschärft die Grundanforderungen für Umwelt-Produktdeklarationen (EPD), Chain-of-Custody-Audits im Steinbruch und die Berichterstattung zur Materialtransparenz – Änderungen, die sich direkt darauf auswirken, wie Architekten und Spezifizierer Naturstein für LEED v4.1 und das kommende LEED-v5-Bewertungssystem qualifizieren können.

Was sich mit der ANSI/NSI-373-Aktualisierung ändert

Der Standard ANSI/NSI 373, erstmals 2012 veröffentlicht und zuletzt 2020 inhaltlich überarbeitet, gilt seit langem als wichtigster freiwilliger Zertifizierungspfad für Natursteinproduzenten im Bereich Nachhaltigkeit. Die Aktualisierung von 2026 bringt drei wesentliche Änderungen mit sich.

Erstens sind nun auf allen Zertifizierungsstufen extern verifizierte EPDs verbindlich – nicht nur auf der höchsten Stufe. Bisher war ausschließlich für Tier 3 (vorbildliche Leistung) eine vollständige ISO-14025-konforme EPD mit einer für Naturstein spezifischen Produktkategorieregel (PCR) erforderlich. Ab 2026 müssen auch Betriebe der Stufen Tier 1 und Tier 2 EPDs veröffentlichen; für bestehende Zertifikatsinhaber gilt eine Übergangsfrist bis Mitte 2027.

Zweitens wurden die Anforderungen an die Chain-of-Custody-Dokumentation für Steinbrüche verschärft. Verarbeiter müssen nun fertige Platten bis zu einem benannten Steinbruch und einer Steinbruchblocknummer zurückverfolgen können; die Auditnachweise sind jährlich zu aktualisieren. Dies ist eine direkte Reaktion auf die wachsende Nachfrage von Bauherren und ESG-orientierten Beschaffungsteams, die eine dokumentierte Materialherkunft benötigen – nicht nur eine allgemeine Angabe zum natürlichen Ursprung.

Drittens führt der aktualisierte Standard Indikatoren für soziale Verantwortung ein, die im Einklang mit dem breiteren NSI-Akkreditierungsrahmen stehen, darunter Mindestanforderungen an die Arbeitssicherheit und die Offenlegung der Auswirkungen auf das Gemeinwesen. Diese werden bewertet, sind für eine Zertifizierung aber noch nicht verpflichtend; das NSI hat angekündigt, sie im Revisionszyklus 2028 zu verpflichtenden Kriterien zu machen.

Wie sich die Änderungen auf die LEED-Punktevergabe auswirken

Naturstein hat bei den LEED-Punkten für Materialien und Ressourcen historisch gut abgeschnitten, insbesondere beim MR-Credit „Building Product Disclosure and Optimization" (BPDO). Dieser Weg honoriert Produkte mit öffentlich verfügbaren EPDs und solche mit optimierter Umweltleistung im Vergleich zu branchenüblichen Durchschnittswerten.

Unter LEED v4.1 zählt ein Produkt mit einer extern verifizierten, produktspezifischen EPD, die die ISO-14025-Anforderungen erfüllt und eine einschlägige PCR referenziert, als voller Produktbeitrag zum Schwellenwert von 20 Produkten für den BPDO-Optimierungs-Credit. Die NSI-373-Aktualisierung bedeutet in der Praxis, dass nun ein breiteres Spektrum zertifizierter Steinlieferanten diesen Beitrag leisten kann, da die EPD-Veröffentlichung nicht länger auf Betriebe der obersten Stufe beschränkt ist.

Das erwartete LEED-v5-Framework, das sich derzeit in der öffentlichen Kommentierungsphase befindet, wird voraussichtlich Transparenz in der Lieferkette als Voraussetzung für bestimmte Material-Credits verlangen – nicht nur als optionale Dokumentation. Falls es in seiner aktuellen Entwurfsfassung verabschiedet wird, würde die NSI-373-Anforderung zur Chain-of-Custody (Rückführung des Fertigprodukts auf einen benannten Steinbruch) direkt mit dieser Voraussetzungsformulierung korrespondieren. Spezifizierer, die Projekte auf eine LEED-v5-Zertifizierung ausrichten, sollten beide Entwicklungen parallel verfolgen.

Eine praktische Komplikation: EPDs für Naturstein bilden das Produktions- und Verarbeitungsprofil eines bestimmten Steinbruchs und eines bestimmten Verarbeitungsbetriebs ab. Eine spanische Crema-Marfil-Platte, die in Alicante verarbeitet wurde, und eine Crema-Marfil-Platte aus demselben Steinbruch, die jedoch in einem Drittland zugeschnitten wurde, weisen unterschiedliche EPD-Profile auf. Architekten, die Stein nach ästhetischen Kriterien spezifizieren und sich für mehrere Bezugsquellen auf eine einzige generische EPD verlassen, werden bei den aktualisierten NSI-Kriterien auf Dokumentationslücken stoßen.

Was das für Steinkäufer und Spezifizierer bedeutet

Für Beschaffungsteams und Projektspezifizierer ist das praktische Fazit eindeutig: Stein, der nicht nach NSI 373 zertifiziert ist oder keinen gleichwertigen EPD-Nachweis vorweisen kann, wird bei LEED-Projekten zunehmend auf Hindernisse stoßen, da die Anforderungen an die Punktevergabe strenger werden.

Dies betrifft ein breites Spektrum an Natursteinkategorien. Marmorsorten aus italienischen und türkischen Steinbrüchen verfügen am ehesten bereits über NSI-zertifizierte Lieferketten; der türkische Travertin-Sektor verzeichnet seit 2021 ein stetiges Wachstum zertifizierter Betriebe. Chinesischer Granit – einschließlich häufig spezifizierter Sorten wie China Green und importierter indischer Herkünfte – wies historisch eine geringere EPD-Abdeckung auf, doch dies ändert sich, da immer mehr Verarbeiter eine NSI-Akkreditierung anstreben, um Exportmärkte zu bedienen.

Aus Einkaufssicht ändert der aktualisierte Standard die Fragen, die Käufer bereits in der Angebotsphase (RFQ) stellen müssen:

  • Ist der Lieferant nach NSI 373 zertifiziert, und auf welcher Stufe?
  • Liegt eine aktuelle, öffentlich zugängliche EPD für das konkrete Material und den Verarbeitungsbetrieb vor?
  • Kann der Lieferant eine Rückverfolgbarkeitsdokumentation für Steinbruchblöcke vorlegen – nicht nur ein Ursprungszeugnis des Landes?
  • Ist die EPD produktspezifisch oder eine allgemeine Branchendurchschnittsdeklaration?

Auch der Herstellungsprozess spielt hier eine Rolle. Gattergesägte Platten und CNC-infrarotgeschnittene Bauteile, die in verschiedenen Betrieben verarbeitet werden, können bei ein und demselben Steinbruchmaterial unterschiedliche Profile grauer Emissionen aufweisen. Käufer, die Stein vor dem Versand trocken auslegen und auf Chargenkonsistenz prüfen – bei großformatigen Marmor- und Travertinbestellungen gängige Praxis –, sollten zusätzlich die EPD-Dokumentation bereits in der Phase der Blockbeschaffung anfordern, nicht erst nach der Verarbeitung. Auch seetüchtige Verpackung und Exportlogistik verursachen graue Emissionen; NSI 373 verlangt zwar noch nicht, dass der EPD-Umfang auch Verpackung und Fracht einschließt, doch die Formulierungen im LEED-v5-Entwurf deuten darauf hin, dass der Lebenszyklus-Umfang in künftigen Überarbeitungen der LEED-Credits ausgeweitet werden könnte.

Branchenreaktionen und Umsetzungszeitplan

Der Technische Ausschuss des NSI veröffentlichte den überarbeiteten Standardtext von ANSI/NSI 373 Ende 2025 nach einer Kommentierungsphase, an der sich Herstellerverbände aus Italien, der Türkei, Indien und den USA beteiligten. Der gestaffelte Umsetzungszeitplan – bestehende Zertifikatsinhaber der Stufen Tier 1 und Tier 2 haben bis Juni 2027 Zeit, konforme EPDs zu veröffentlichen – war ein direktes Zugeständnis an kleinere Steinbruch- und Verarbeitungsbetriebe, denen die internen Ressourcen fehlen, um zeitnah Lebenszyklusbewertungen durch Dritte in Auftrag zu geben.

Mehrere große Naturstein-Handelsverbände haben Begleitprogramme angekündigt, um ihre Mitglieder bei der Beauftragung von EPDs zu unterstützen. Der italienische Marmorsektor, der unter anderem durch Confindustria Marmomacchine vertreten wird, hatte die EPD-Einführung bereits im Vorfeld der EU-Transparenzanforderungen für Bauprodukte vorangetrieben. Die NSI-Aktualisierung bekräftigt diesen Kurs nun auch von Seiten des nordamerikanischen Markts.

Für Käufer mit aktiven LEED-Projektvorhaben bietet das Zeitfenster zwischen heute und Mitte 2027 die praktische Gelegenheit, bestehende Lieferantenbeziehungen zu prüfen und Zertifizierungslücken zu identifizieren. Betriebe, die bis dahin keine NSI-373-Konformität nachweisen oder keinen gleichwertigen EPD-Nachweis vorlegen können, könnten von den Ausschreibungslisten öffentlicher und institutioneller Projekte ausgeschlossen werden, bei denen LEED-Punkte vertragliches Gewicht haben.

Quellen