StoneTrades — 4. Juni 2026
Die Nachhaltigkeit von Naturstein tritt 2026 in eine messbarere Phase ein: Die Branche bewegt sich auf eine globale Umwelt-Produktdeklaration (EPD) für Naturstein zu. Dieser Schritt gibt Architekten, Projektentwicklern und Einkaufsteams eine konsistentere Grundlage, um Abbaumengen, graue Emissionen und Lebenszyklusleistungen über Regionen hinweg zu vergleichen. Für B2B-Käufer liegt der praktische Nutzen auf der Hand: Materialentscheidungen lassen sich nun direkter an CO2-Offenlegungspflichten und CO2-arme Projektziele koppeln.
Nachhaltigkeit von Naturstein und die globale EPD 2026
Die globale EPD für Naturstein gilt als ein wegweisendes Branchendokument, weil sie Lebenszyklusdaten von der Gewinnung bis zum Ende der Nutzungsdauer in einem standardisierten Format bereitstellt. Durch die Angleichung der Daten über Steinbrüche und Verarbeitungsbetriebe in mehreren Ländern erhalten Architekten und Projektentwickler eine klarere Grundlage für die Bewertung von CO2-Berichtspflichten. In Märkten, in denen öffentliche und gewerbliche Projekte zunehmend dokumentierte Nachhaltigkeitsleistungen verlangen, wird dies zu einem echten Ausschreibungsinstrument – und nicht nur zu einer Marketingaussage.
Dieser Rahmen schließt eine seit Langem bestehende Marktlücke. Nachhaltigkeitsdaten waren bislang oft regional ausgerichtet oder an einzelne Hersteller gebunden, was direkte Vergleiche erschwerte. Mit dem breiteren Roll-out 2026 lässt sich Naturstein aus unterschiedlichen Förderregionen anhand konsistenterer Kennzahlen zu Energieverbrauch, Wassermanagement und verantwortungsvollem Steinbruchbetrieb bewerten.
Der Vorteil in Zahlen: Naturstein vs. synthetische Oberflächen
Das stärkste Argument für die Nachhaltigkeit von Naturstein ist der im Vergleich zu synthetischen Alternativen relativ geringe industrielle Verarbeitungsaufwand. Naturstein verursacht zwar Emissionen durch Gewinnung, Zuschnitt und Transport, benötigt aber nicht denselben Hochtemperatur-Brennprozess wie Feinsteinzeug oder Sinterprodukte. Genau deshalb gewinnen Vergleiche der grauen Emissionen bei der Auswahl von Naturstein im Objektbereich zunehmend an Bedeutung.
Auch die Langlebigkeit spielt eine Rolle. In vielen stark beanspruchten Bereichen bleiben Naturgranit und Naturmarmor oft Jahrzehnte länger im Einsatz als so manche synthetische Oberfläche bis zum Austauschzyklus benötigt. Für Einkaufsteams verschiebt sich die Kalkulation damit von den reinen Anschaffungskosten hin zu CO2- und Austauschkosten über die Nutzungsdauer des Gebäudes.
NSI 373 und die zunehmende Bedeutung nachhaltiger Naturstein-Standards
Ergänzend zur EPD-Initiative befasst sich ANSI/NSI 373 mit der nachhaltigen Produktion von Naturwerkstein. Der Standard bewertet Wassermanagement, Energieeffizienz, Transportplanung und die Verantwortung am Standort. Die Zertifizierung gibt Käufern damit eine praktikablere Grundlage, um Lieferanten zu prüfen, die CO2-arme Spezifikationen durch dokumentierte Betriebsstandards untermauern können.
Bei der Lieferantenbewertung werden NSI 373 und ähnliche Benchmarks zunehmend genutzt, um das Risiko von Greenwashing zu reduzieren. Das ist besonders relevant, wenn große Beschaffungsprogramme länderübergreifend laufen und die Umweltaussagen von Hersteller zu Hersteller stark variieren.
| Materialkategorie | CO2-Berichtswert | Lebensdauer | Wichtigster Nachhaltigkeitstreiber |
|---|---|---|---|
| Naturgranit | Ermöglicht EPD-Vergleich | Sehr lang | Langlebigkeit, geringerer Verarbeitungsaufwand |
| Naturmarmor | Ermöglicht EPD-Vergleich | Lang | Recyclingfähigkeit, Wärmespeicherung |
| Sinterstein | Erfordert Prüfung des Fertigungsenergieaufwands | Mittel bis lang | Technisch definierte Leistungsfähigkeit |
| Keramik / Feinsteinzeug | Erfordert Prüfung des Fertigungsenergieaufwands | Mittel | Standardisierte Formate |
Beschaffung im Wandel: CO2-arm ausschreiben
Die Umstellung auf Spezifikationen mit geringen grauen Emissionen wirkt sich bereits heute auf die Zusammenstellung von Natursteinpaketen aus. Einkäufer achten stärker auf die Intensität der Oberflächenbearbeitung, die nutzbare Plattenausbeute und die Transporteffizienz, weil diese Faktoren die Gesamtbilanz eines Projekts ebenso prägen wie die Herkunft aus dem Steinbruch. In manchen Fällen können geschliffene oder Lederoberflächen sowie eine bessere Plattenoptimierung den Verschnitt reduzieren, ohne die grundlegende Materialwahl zu verändern.
Der Transport bleibt eine relevante Größe, insbesondere bei importiertem Naturstein. Dennoch bieten die standardisierteren EPD-Daten Planungs- und Einkaufsteams eine bessere Grundlage, um regionale Beschaffung, Leistung, Ästhetik und CO2-Berichtspflichten gegeneinander abzuwägen.